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Presseerklärung der VPP Hamburg / des nlvp zur aktuellen Diskussion um die MPU

21.02.07: Die Verkehrspsychologie Praxis Hamburg als Herausgeber des unabhängigen „newsletter verkehrspsychologie“ begrüßt die jüngste Berichterstattung über die Verquickung von MPU und Testvorbereitung. Wir beobachten voller Sorgen seit Jahren ein zunehmendes Aufgeben fachlicher, berufsethischer und politischer Standards zugunsten eines kurzfristigen, profitorientierten Denkens in diesem Bereich. Verkehrssicherheit darf nicht zur Ware werden, die möglichst billig produziert, werbewirksam umettiketiert und von großen Konzernen auf den Markt geworfen wird.

Die im Beitrag des Fernsehmagazins „Kontraste“ am 15.02.2007 aufgezeigten Missstände sind nach unserer Erfahrungen nur die Spitze des Eisberges: Die MPU ist seit Jahren ein für Kraftfahrer, Behörden und auch Politiker kaum noch durchschaubarer Geschäftsbetrieb geworden. Vorgeblich geht es um die Förderung der Verkehrssicherheit, tatsächlich aber oft nur noch um ein möglichst gutes Geschäft. So arbeiten Gutachter und Vorbereiter bei den großen Trägern und ihren Tochtergesellschaften unter einem Dach, teilen sich Postadresse, Personal und Internetauftritte und werben in gemeinsamen Broschüren für ihre Dienste. Dies geht soweit, dass mit einer Flatrate geworben wird: An den TÜV Süd zahlen und solange die Dienstleistungen der verschiedenen Gesellschaften in Anspruch nehmen, bis ein positives Gutachten erfolgt. Man stelle sich das Angebot einer „Justiz-GmbH“ vor, die Straf-Gerichte betreibt, gleichzeitig Verteidiger aus den Reihen der Richterschaft zur Verfügung stellt und  für einen Pauschaltarif von 5.000 Euro Beratung bis zum Freispruch anbietet unter dem Motto „Wir produzieren Gerechtigkeit“.

Durch solche Modelle wird der Grundgedanke von objektiver, wissenschaftlich fundierter und ökonomisch unabhängiger Begutachtung von Straftätern in Bezug auf ihr Rückfallrisiko (und darum geht es im Kern bei einer MPU) pervertiert. Die in der Fahrerlaubnisverordnung leider nur unvollständig verankerte Forderung nach klarer Trennung der beiden Geschäftsfelder wird trickreich unterlaufen. Wie stark die Ökonomisierung dieses Arbeitsgebietes gediehen ist, zeigt das jüngste Angebot des TÜV Süd, der gleich am Tresen einen Kreditvertrag mit der Hypovereinsbank offeriert, mit dem MPU und Vorbereitung aus einer Hand finanziert werden.

Gleichzeitig fehlen aktuelle wissenschaftliche Nachweise von unabhängigen Stellen, die belegen, wie gut die Prognose durch eine MPU tatsächlich ist. Es ist kein Zufall, dass Deutschland das einzige Land in Europa ist, das diese wissenschaftlich umstrittene, in ihrer Wirksamkeit kontrovers wahrgenommene und unter kommerziellen Gesichtspunkten betriebene Maßnahme kennt. Zwar unternimmt der VdTÜV zur Zeit massive Versuche, dieses System flächendeckend in Europa zu installieren, die jüngste Führerscheinrichtlinie zeigt aber klar auf, dass Europa eher auf verhaltensändernde Maßnahmen statt auf kommerziell betriebene Diagnostik setzt. Für verhaltensändernde Maßnahmen existieren eine Reihe von Untersuchungen, die einen deutlichen Zuwachs an Verkehrssicherheit belegen.

Der Verkehrspsychologische Praxis Hamburg fordert deshalb:

l        klare gesetzliche, personelle und ökonomische Trennung von Begutachtung und Beratung,

l        keine Einführung der MPU in Europa ohne Wirksamkeitsnachweise,

l        stärkere Verankerung erfolgreicher verhaltensändernde Maßnahmen von Anbieter, die mit der Begutachtung nicht verflochten sind.

 

Verkehrspsychologische Praxis Sohn

Saarlandstr. 6 a, D-22303 Hamburg

Tel.: 040-56008008, www.vpp.de

 


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Stand: 12. Mai 2009